Heiliger Nepomuk krönt die Isarbrücke
in Plattling

Das Staatliche Bauamt Passau hat den Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung an der Isarbrücke in Plattling abgeschlossen. Wettbewerbsaufgabe war die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Brückenheiliger St. Johannes Nepomuk. Einstimmig wählte das Gutachtergremium in einem anonymen Wettbewerbsverfahren aus neun eingereichten Arbeiten den Entwurf des Künstlers Bernd Stöcker aus Triftern zur Realisierung aus.

Bildmontage: Bernd Stöcker, Triftern

Bernd Stöcker, Triftern

Nepomukwallfahrt

Der Heilige Nepomuk steht auf einer Zille, ein typisches Boot der Flusslandschaft Plattlings. Dies deutet symbolisch auf den einzigartigen Brauch der Nepomukwallfahrt in Plattling hin.

Bernd Stöckers Wettbewerbsarbeit, eine Darstellung des Brückenheiligen auf einer Zille, erinnert an den über 100 Jahre alten Plattlinger Brauch der Wasserprozessionen auf der Isar. Hoch aufgerichtet, mit dem Kreuz in der ausgestreckten rechten Hand die Brücke segnend, steht die etwas überlebensgroße Skulptur aus Bronze auf einer etwa vier Meter hohen Betonsäule wie auf einem Brückenpfeiler. Sie ist durch ihre Größe sowie die Ausrichtung der Zille quer zur Fahrbahn von weitem für Autofahrer, für Radfahrer auf dem Isarradweg und für Fußgänger gut zu erkennen.

„Nicht nur die Wahl des Motivs sowie Größe und Situierung des Kunstobjekts wurden positiv bewertet“, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbands Bildender Künstler Niederbayern, Hubert Huber, der die Gutachtersitzung als Vorsitzender leitete. „Auch die Qualität des eingereichten Bronzemodells sowie eines in Originalgröße ausgeformten Kreuzes, die eine hohe künstlerische Qualität erwarten lassen, beeindruckte die Jury.“

Jedes Detail der Statue soll genauestens ausgearbeitet werden, dennoch ist die Fernwirkung von großer Bedeutung. Die etwas überlebensgroße Figur steht aus diesem Grund auf einer 4,0 Meter hohen Betonsäule.

Die Arbeit von Bernd Stöcker wurde daher von dem Gutachtergremium auch einstimmig zur Realisierung empfohlen. Das Staatliche Bauamt Passau wird den Künstler mit der Ausführung des Kunstobjektes, für das rund 80.000 Euro bereitgestellt wurden, beauftragen.

Die Jurymitglieder freuen sich über das Wettbewerbsergebnis und den prämierten Gestaltungsvorschlag von Bernd Stöcker: Günther Rösch (von links), Günther Kleiner, Lutz Mandel, Robert Wufka, Norbert Sterl, Hans Schmalhofer, Kurt Stümpfl, Hubert Huber, Roland Pfauntsch, Kathrin Tost, Helmut Langhammer, Kristina Pilzer und Karin Rankl.

Acht weitere Wettbewerbsarbeiten

Acht weitere Künstler hatten Wettbewerbsarbeiten eingereicht: Wolfgang Auer aus Friedberg, Dominik Dengl aus Malching am Inn, Edeltraut Göpfert aus Vilshofen, Alexander Hintersberger aus Hengersberg, Martina Kreitmeier aus Vilsheim, Christian Schafflhuber aus Passau, Ulrike Ströbele aus Untergriesbach und Christian Zeitler aus Passau hatten ebenfalls Vorschläge für die künstlerische Gestaltung an der neuen St.-Nepomuk-Brücke in Plattling ausgearbeitet, die die Wettbewerbsaufgabe mit hoher Qualität in vielfältige Gestaltungsideen umsetzten.

Bronzeskulptur mit Betonsockel

Alexander Hintersberger, Hengersberg

Birett

Das schwarze Birett stellt die charakteristische Kopfbedeckung des Heiligen Nepomuk dar. Das in Bronze gegossene Birett symbolisiert den Heiligen Nepomuk. Der Betonsockel, auf dem das Birett lehnt, steht für die Karlsbrücke, von der der Hl. Nepomuk geworfen und getötet wurde. Die Skulptur zeigt den Moment des Sturzes des Heiligen Nepomuk über die Brücke.

Skulptur aus 12 Holzstelen mit einer aufgesetzten Statue aus Bronze

Maria Kreitmeier, Vilsheim

Der Brücken-Hirte

Zwölf Eichenstelen symbolisieren und weisen einen Weg über ein „überschwemmtes“ Gebiet. Der Versatz in den Stelen deutet fiktiven Hochwsserstand an. Die Bronzeskulptur symbolisiert den „Brücken-Hirten“ als Synonym des Heiligen Nepomuk mit einem Stab in der Hand. Dieser überblickt das Areal und weist den Menschen symbolisch den Weg über das Wasser bzw. hält Ausschau nach Menschen in Not.

Statue und zwei Text-Steine aus Granit

Ulrike Ströbele, Untergriesbach

Für Schweigen und Hören

Der Heilige Nepomuk geht mit der Zeit. Er setzt Gegensätze: Zu „schneller, höher, lauter“ setzt er das Schweigen: „Wer stille ist, kann hören“.
Der Heilige Nepomuk schützt symbolisch „weithörend – weitsehend“.
Sein Martyrium des heiligen Schweigens wird bis heute geehrt und er ist der einzige Heilige, der mit fünf Sternen ausgezeichnet wurde.

Zwei Skulpturen aus Bronze und Stahlrohrkonstruktion, Flügel aus Aluminium

Edeltraut Maria Göpfert, Vilshofen

Hl. Nepomuk,
Bogen mit Flügel

Der Bogen mit dem Drachenflügel nimmt Bezug auf die Sage des Nibelungenliedes (Siegfried der Drachentöter) und zeigt die Stadt Plattling als Mittelpunkt des Nibelungenzuges. Der geschichtliche „Isarübergang“ legt nahe, zu der neuen Isarbrücke eine weitere „Brücke“ zu den Nibelungen zu „bauen“, in Anlehnung an das Kindertheater „Nibili der kleine Drache“ aus den Nibelungenfestspielen in Plattling.

lineare, wellenförmige Skulptur aus verzinktem, pulverbeschichtetem Stahl

Dominik Dengl, Malching am Inn

Fünf Sterne

Der Heilige Nepomuk wird durch seine verliehenen fünf Sterne dargestellt. Seinen Bezug zum Wasser symbolisieren die stilisierten Wellen. Drei Wellen sind in drei Reihen bogenförmig hintereinander platziert. Beim Vorbeifahren soll der Eindruck von bewegtem Wasser entstehen. Dazwischen tanzen die fünf Sterne des Heiligen Nepomuk auf dem Wasser.
Durch die optische Täuschung ergeben sich verschiedene Assoziationen. Das Thema der Brücke erkennt man im Grundriss der Plastik wieder. Das Thema des Brückenheiligen ist sehr reduziert dargestellt und lehnt sich an filmische Mittel an.

Lineares und filigranes Stahlband, Umrisse einer Skulptur

Wolfgang Auer, Friedberg

Linie – Zeichnung – Raum

Ein lineares filigranes Stahlband erscheint im Umriss als Bild einer Skulptur des Heiligen Nepomuk. Durch die Richtung quer zur Fahrbahn soll es an ein großes Verkehrszeichen erinnern. Das Stahlband am Anfang und Ende der Skulptur zeigt ein Sinnbild für Wasser mit seinen Naturgewalten. Es entstehen analog zur Brücke verschiedene Perspektiven, verschiedene Ansichten, ein Verschwinden und Wiedererscheinen.
Die Skulptur schafft ein Wechselspiel zwischen Landschaft und Vorstellung der Figur des Heiligen Nepomuk.

vierteilige liegende Skulptur aus Tittlinger Granit

Christian Schafflhuber, Passau

Unbeugsam:
Hinrichtung Hl. Nepomuk

Die Skulptur strukturiert die große verfügbare Fläche und ist mittels Dimension, Kontur und Rhythmus leicht zu erfassen. Die monumentale Größe und deren Binnenräume und Konturen bieten verschiedene Perspektiven sowie Licht- und Schattenspiele.
Die vereinfachte Darstellung entschärft die Grausamkeit der Hinrichtung des Heiligen Nepomuik, lenkt den Fokus auf das Leben und die Geschichte des Heiligen und soll den Besucher oder Vorbeifahrenden zum Nachdenken anregen.
Die vier Elemente stehen auf einem Betonfundament und ragen direkt aus der Wiese.

Staute aus Hötzendorfer Granit auf einem Sockel mit Stahlprofil

Christian Zeitler, Passau

Hl. Nepomuk in zeitgenössischem Gewand

Die Skulptur soll dem Vorbeifahrenden einen ausgeprägten, charakteristischen Eindruck hinterlassen und schon von der Ferne ihre Wirkung zeigen. Es wird eine reduzierte Formensprache verwendet, die weit in die Höhe gezogen wird. Der L-förmige Grundriss lässt in seiner Senkrechten eine Stola erkennen.
Eine passende Bepflanzung lässt beim Vorbeifahren eine dynamische Bewegung entstehen.

Texte: Alexander Hintersberger, Maria Kreitmeier, Ulrike Ströbele, Edeltraut Maria Göpfert, Dominik Dengl, Wolfgang Auer, Christian Schafflhuber, Christian Zeitler; Fotos: Staatliches Bauamt Passau, Sabine Süß

Die Jury

Neben Hubert Huber als Vorsitzendem beurteilten die eingereichten Arbeiten auch der Künstler Helmut Langhammer aus Pressath, Bürgermeister Hans Schmalhofer und Kathrin Tost vom Kulturreferat als Vertreter der Stadt Plattling, der Vorsitzende des St.-Johann-Nepomuk-Vereins Plattling e.V., Günther Rösch, Ministerialrat Lutz Mandel für das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, Leitender Baudirektor Günther Kleiner für die Regierung von Niederbayern sowie die Leitenden Baudirektoren Robert Wufka und Norbert Sterl für das Staatliche Bauamt Passau, das den Kunstwettbewerb im Rahmen des Brückenneubaus ausgelobt hatte. Als stellvertretende Gutachter und Berater wirkten des Weiteren Baudirektor Kurt Stümpfl vom Staatlichen Bauamt Passau und Plattlings Stadtbaumeister Roland Pfauntsch mit. Die Vorprüfung der Wettbewerbsarbeiten führten Karin Rankl und Kristina Pilzer vom Staatlichen Bauamt Passau durch. Die Sitzung des Gutachtergremiums fand im Plattlinger Rathaus statt. Um das Auswahlverfahren als Präsenzveranstaltung ermöglichen zu können, hatten die Teilnehmer für die Dauer der Sitzung die Regelungen der Corona-Arbeitsschutzverordnung sowie des Schutz- und Hygienekonzepts zu beachten.

Warum gibt es bei staatlichen Baumaßnahmen „Kunst am Bau“?

„Kunst am Bau“ ist für die Bayerische Staatsregierung ein integraler Bestandteil der staatlichen Bauaufgabe, ein Element von Baukultur. Die Selbstverpflichtung des Freistaates Bayern, Aufträge an bildende Künstler zu vergeben, ist in den Richtlinien für die Durchführung von Hochbauaufgaben des Freistaates Bayern (RLBau) geregelt, einer gemeinsamen Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr und des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen und für Heimat. Darin findet sich die Festlegung, dass bei bedeutenden Baumaßnahmen im staatlichen Hochbau auch „Aufträge an bildende Künstler“ vorzusehen sind. Die Zweckbindung „für Aufträge an bildende Künstler“ verbietet den Kauf von Kunstwerken bei Dritten, also im Kunsthandel und in Galerien. Zielsetzung bei der „Kunst am Bau“ ist es, in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst mit Planern und Künstlern gemeinsam Lösungen für spezielle Raumsituationen zu entwickeln. Kunstwerke ohne örtlichen Bezug zu Bauwerk, Standort und Umfeld zu kaufen, d.h. „fertige Kunst“ zu sammeln, ist dagegen Aufgabe von Museen und Sammlungen, die die Werke meist auch in einem neutralen Umfeld präsentieren.

„Kunst am Bau“ ist eine gezielte Förderung durch den Staat, um den Entfaltungsraum und die hohe Qualität zeitgenössischer bildender Kunst zu erhalten, mit dem Anspruch, ein breites Publikum zur Beschäftigung mit „Kunst am Bau“ anzuregen. Natürlich hat „Kunst am Bau“ auch eine finanzielle Förderung bildender Künstler zum Ziel. Der Freistaat Bayern erfüllt damit eine wichtige Aufgabe modernen Mäzenatentums.

Die Beauftragung künstlerischer Leistungen erfolgt in der Regel durch Wettbewerbe, die von den Staatlichen Bauämtern ausgelobt werden. In „offenen“, „beschränkt offenen“ oder in „Einladungswettbewerben“ haben – zumeist in anonymen Verfahren – mehrere Teilnehmer die Gelegenheit, Ideen zu entwickeln und diese in Konkurrenz mit anderen Künstlern zu zeigen. Der Auslober und künftige Nutzer erhält auf diesem Weg möglichst viele Anregungen und konkrete Gestaltungsvorschläge.

Das neue Kunstobjekt, das Bernd Stöcker an der Isarbrücke in Plattling realisieren wird, ist das Ergebnis eines solchen Wettbewerbs. Plattling wird damit wieder um ein wertvolles Kunstobjekt im öffentlichen Raum reicher.

Autor: Norbert Sterl, Leitender Baudirektor, Staatliches Bauamt Passau