Im Herbst steigt die Gefahr von Wildunfällen. Die Gründe: schlechte Sicht durch Nebel und Regen und dadurch auch längere Bremswege. Die größte Gefahr für einen Zusammenstoß mit einem Wildtier besteht in den frühen Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr, wenn die Tiere ihre Futtergründe aufsuchen und abends zwischen 20 und 23 Uhr. Dann kehren sie in ihr Nachtquartier zurück. Außerdem ist im Herbst die Brunftzeit des Rotwilds und die Tiere sind quasi blind vor Liebeslust.

Die einfachste und effektivste Methode, einen folgenschweren Zusammenstoß mit Reh-, Dam- oder Rotwild, einem Dachs oder einem Wildschwein zu vermeiden ist es, die Geschwindigkeit zu reduzieren, wenn man auf einem Straßenabschnitt fährt, in dem besonders viele Wildwechsel vorkommen. Angezeigt werden diese Gebiete durch das bekannte, dreieckige und rot umrandete Verkehrsschild mit einem springenden Hirsch von links oder von rechts.

Interessanterweise passieren die wenigsten Wildunfälle bei Nebel, Regen und schlechter Sicht. Nicht, weil dann weniger Rehe unterwegs sind, sondern weil die Autofahrer dann langsamer fahren und schneller bremsen können, wenn ein Wildtier am Straßenrand auftaucht.

Beiträge zu mehr Verkehrssicherheit

Reflektoren

Auf die Abschreckung der Wildtiere zielen die blauen Reflektoren, die von den örtlichen Jagdverbänden an einzelnen Streckenabschnitten in Abstimmung mit den Straßenmeistereien an den Leitpfosten angebracht werden. Das Prinzip dabei: Wenn das Licht der Fahrzeugscheinwerfer auf die Reflektoren der Leitpfosten trifft, strahlen die gekrümmten Reflektoren blaues Licht in einem breiten Winkel ab. Das blaue, in den seitlichen Straßenraum gestreute Licht wiederum soll Wildtiere abschrecken. Ob sich durch die Reflektoren die Zahl der Wildunfälle tatsächlich reduzieren lässt, ist umstritten. Statistisch belastbare Untersuchungen dazu gibt es nicht. Tendenziell führen Reflektoren, gleich welcher Farbe, aber wohl nicht dazu, dass das Rotwild Straßen meidet.

Wildschutzzäune

An Autobahnen sind sie Standard, an Bundesfernstraßen werden sie nur entlang stark frequentierter Abschnitte eingesetzt: Wildschutzzäune. Dass sie nicht überall errichtet werden, liegt zum einen an den enormen Kosten, etwa für den Kauf von Grundstücken, auf denen diese Zäune errichtet werden, zum anderen aber an den vielen Straßen und Wegen, die besonders in ländlichen Gegenden von den Bundesstraßen abzweigen. An diesen Stellen entstünden Lücken, durch die die Wildtiere auf die Straße gelangen würden. Der Erfolg eines Wildschutzzauns wäre also nur sehr begrenzt. Im Amtsbereich des Staatlichen Bauamts stehen solche Wildschutzzäune deshalb nur an ausgewählten Strecken.

Bepflanzung

Eine weitere Möglichkeit, die Gefahr von Wildunfällen zu reduzieren, ist es, keine fruchttragenden Bäume und Sträucher entlang von Straßen und Böschungen zu pflanzen. Denn Fallobst ist eine willkommene Abwechslung im Speiseplan von Wildtieren. Um Tiere nicht unnötig anzulocken, werden an Straßen deshalb keine Obstbäume angepflanzt. Außerdem hilft es, möglichst breite Flächen neben der Straße von Bewuchs freizuhalten, damit die Autofahrer die Wildtiere früher sehen.

Warntafeln und Apps

Bayerns Jäger haben neue Wildwarntafeln für einen sichereren Straßenverkehr vorgestellt. Die Plakate bestehen komplett aus reflektierender Folie, die aufleuchtet, wenn sie angestrahlt wird. Sechs Motive gibt es, die einfach ausgetauscht werden können, um einen Gewöhnungseffekt der Autofahrer zu vermeiden.

Wie sich Unfälle durch Wildwechsel reduzieren lassen, damit beschäftigen sich auch viele Start-ups. Relativ bekannt ist Wuidi, eine App, die Verkehrsteilnehmer bei der Fahrt durch Gefahrengebiete mit erhöhtem Wildwechsel warnt, und zwar orts- und zeitabhängig