Wir können auch Grün

Auf den ersten Blick scheinen biologische Artenvielfalt und Straßen nicht recht zusammenzupassen. Doch aus Grünflächen und Straßenböschungen können wertvolle Rückzugsorte für viele heimische Insektenarten und Kleintiere werden. Dafür sorgt das Staatliche Bauamt Passau mit einem Pflegekonzept, das seit gut einem Jahr auf einigen Flächen im Amtsgebiet umgesetzt wird.

Mit Balkenmähraupe und Schreitbagger sind Mitarbeiter einer externen Fachfirma im Auftrag des Staatlichen Bauamts Passau an verschiedenen Straßen im Amtsgebiet im Einsatz: Sie mähen Bereiche, die zu den sogenannten „Auswahlflächen“ gehören.

„Dabei handelt es sich um Wiesenflächen, die sich außerhalb von Straßenrändern und Sichtbereichen befinden und die zu Biotopqualität entwickelt werden“, erklärt Gregor Kellermann, Abteilungsleiter Planung.

Die Flächen sind Bestandteil der Pflegemaßnahmen nach dem Konzept „Ökologische Aufwertung von Straßenbegleitflächen entlang von Bundes- und Staatsstraßen“ des bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr. Ziel ist es, das Lebensraum- und Nahrungsangebot sowie den Blüten- und Strukturreichtum zu erhalten bzw. zu entwickeln. Gleichzeitig sollen Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen beim Mähen weiter verringert und der Biotopverbund gefördert werden.

Auf den „Auswahlflächen“, die ein ökologisches Aufwertungspotential besitzen, wird auf eine Mulchmahd komplett verzichtet. Besonders geeignet sind dabei Böschungsbereiche, die in geringer Entfernung zu Naturschutzgebieten, Biotopen oder Ausgleichsflächen liegen und ein Vorkommen gefährdeter oder geschützter Tiere und Pflanzen vorweisen. Dies ermöglicht eine bessere Vernetzung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren.

Die Pflege übernehmen externe Firmen, zum Teil mit Spezialgeräten, die einen bodenschonenden Einsatz gewährleisten. Mit Auslegerfahrzeugen oder Raupenfahrzeug lassen sich Bodenverletzungen vermeiden, die das Einwandern von „Problempflanzen“ wie etwa Kreuzkräuter oder Neophyten begünstigen. Bei den Mäharbeiten (zumeist 1. Schnitt im Juni, 2. Schnitt im August) werden Maschinen wie der Balkenmäher eingesetzt, die ein schonenderes Mähen ermöglichen.

Durch eine Mindestmahdhöhe von zehn Zentimetern bleibt Rückzugsmaterial für Kleinstlebewesen und Reptilien zurück. Nach der Mahd wird das Mähgut mindestens einen Tag liegen gelassen. So erhalten Kleintiere die Möglichkeit, rechtzeitig in noch nicht gemähte Abschnitte abzuwandern.

Für die Umsetzung ist am Staatlichen Bauamt Passau das Sachgebiet Naturschutz und Landschaftsplanung zuständig, das der Planungsabteilung angegliedert ist. Zusammen mit externen Planern und den unteren Naturschutzbehörden in den jeweiligen Landkreisen wurden die Auswahlflächen festgelegt. „Insgesamt haben wir so 211 Hektar an Straßennebenflächen ausgewählt, die nachhaltig aufgewertet werden und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer heimischen Flora und Fauna leisten“, sagt Leitender Baudirektor Norbert Sterl, der Leiter des Staatlichen Bauamts Passau.

Am besten funktioniert das, wenn alle zusammenhelfen. Darum werden die Landwirte gebeten, sich an ihre Bewirtschaftungsgrenzen zu halten und die unmittelbar an ihre Flächen angrenzenden Grundstücke von Bewirtschaftung freizuhalten. Die „Auswahlflächen“ werden durch orangefarbene Pflöcke gekennzeichnet.

Übrigens: Um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, werden die Flächen unmittelbar entlang der Straße und in deren Sichtbereich weiterhin intensiv gepflegt. Die sogenannten Normalflächen – Grünflächen, die nicht im unmittelbaren Straßenbereich liegen, aber auch keinen besonderen ökologischen Wert haben – werden ebenso weiterhin vom Betriebsdienst gepflegt, um eine Verbuschung zu verhindern. Allerdings wird dort nur noch abschnittsweise gemäht, um Lebens- und Rückzugsräume für Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Weitere Informationen zum Thema finden sich in einer Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr.